Mit der Fotografie hatte sie damals keine Berührungspunkte gehabt. Eigentlich war sie Hausfrau und Mutter. Umso erstaunlicher ist ihr Werdegang, und das was sie sich über viele Jahre aufgebaut hat.

Werbeplakat auf dem Lizzy selbst abgebildet ist.Damals, als das Hansaland gerade mal ein Jahr bestand hatte, besuchte Anneliese Brockmöller mit ihrer fünfjährigen Tochter den Park, um sich ein wenig zu vergnügen. Als die Beiden in der Westernstadt Bonanza City ankamen, entdeckte Frau Brockmöller einen kleinen Laden neben der Ponyreitbahn, in dem eine Angestellte Fotos von Gästen auf Poster druckte. Eine zeitlang betrachtete Frau Brockmöller das Treiben in dem kleinen Laden. Da sie zu jener Zeit nach einer Arbeit suchte, fing sie an die Prozedur genauer zu beobachten. Schließlich kam sie zu dem Entschluss, dass sie diese Arbeit auch leisten könne.

Wand mit Bildern von Prominenten GästenSie bewarb sich auf eine Anstellung und erhielt eine Zusage. Von nun an fertigte sie Poster für die Gäste des Parks an. Als jedoch der Pächter mitsamt der technischen Einrichtung das Hansaland verließ, stand Frau Brockmöller wieder ohne Arbeit da. Von Ehrgeiz getrieben ging sie in das Büro der damaligen Geschäftsführung und erklärte, dass sie das Geschäft selber weiter führen wolle.

Man willigte ein. Allerdings musste neue Technik her. Alles was Frau Brockmöller blieb, war ein leerer Laden in der Westernstadt. Aber wo bekommt man eine Postermaschine her? Über die Konsulate wurden Telefonbücher aus Belgien, Holland und Amerika besorgt, und sie telefonierte sich über die Kontinente auf der Suche nach einem Hersteller. Überraschenderweise war der Weg zum benötigten Arbeitswerkzeug deutlich kürzer: In Offenbach wurde sie fündig. Eine Postermaschine für 1250,- DM wurde bestellt und insgesamt investierte die heranwachsende Geschäftsfrau bis zu 25.000,- DM in die Einrichtung ihres Posterladens, und startete 1978 ihr eigenes Geschäft in der Westernstadt des Hansalands.

Holzschild mit dem Schriftzug Antik-Photos im StilkostümEs lief sehr zufriedenstellend bis die Geschäftsführung sie noch in der laufenden Saison in die Verwaltung zitierte. Die Ankündigung kam so ernüchternd wie ein Keulenschlag. Man habe beschlossen den Verkauf von Postern zu beenden. Nach all den Mühen und Kosten schien es nun beendet. Doch die Geschäftsleitung verkündete, man habe andere Pläne mit ihr.

Nostalgiefotos sollten es sein. Viel hochwertiger als die bisher verkauften Poster. Das Studio sollte zwischen dem General Store und dem Sheriff's Office eingerichtet werden. Frau Brockmöller investierte weitere 100.000,- DM in Fototechnik, Studiobeleuchtung und Dunkelkammer. Die Einrichtung wurde von AGFA geliefert, und aufgebaut. Ein AGFA Mitarbeiter war es auch, der Frau Brockmöller die Fotografie lehrte, und ihr Tipps und Tricks an die Hand gab. Das Antik-Studio hat sich von da an kaum noch verändert.

Die Fotos wurden auf einer Fotoplatte belichtet und direkt nach der Belichtung in die Dunkelkammer zum Entwickeln gebracht. Damals waren die Dunkelkammern in der Tat stockduster. Das bekannte Rotlicht gab es noch nicht. Beim Umgang mit den Chemikalien war daher ein räumliches Gefühl für die Kammer und viel Übung notwendig. Für ein Bild benötigte das Studio-Team etwa 30 Sekunden für die Entwicklung und ein wenig Zeit zum Trocknen. Nach ca. 45 Sekunden bis einer Minute lag das fertige Bild mitnahmebereit auf dem Verkaufstresen.

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Als die Kameras digital wurden, und Computer immer erschwinglicher, entschied sich Frau Brockmöller an der altbewährten analogen Fotografie vorerst festzuhalten. Sie organisierte die letzten Lagerbestände an Fotomaterialien. Erst seit 2006 arbeitet das Studioteam digital. Dies brachte auch einige räumliche Veränderungen mit sich. Blitzlicht wurde nicht mehr benötigt. Und der weinrote Vorhang musste aufgrund der Umstellung auf eine durchgehende Beleuchtung weichen, denn er war auf den Bildern schlichtweg zu dunkel. Ein lichtdurchlässiger Stoff musste an dessen Stelle angebracht werden, der durch ein Hinterlicht aufgehellt wurde. Dies war allerdings auch die einzige Veränderung des Hintergrunds.

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Auf die Frage, ob schon mal über weitere Veränderungen nachgedacht wurde, erwiderte Frau Brockmöller mit einem Lächeln, dass Ideen da wären, aber Veränderungen generell von den Gästen abgelehnt werden. Also hat man die Überlegungen einfach wieder verworfen.

Mittlerweile hängen im Antik-Studio an die 60 Kostüme und unzählige Requisiten. Die Auswahl reicht vom Cowboy zum Gentleman über den Großgrundbesitzer zu der Kavallerie und den Indianern. Sogar Mormonen-Kostüme hat das Studio auf Lager, und die Kinder können neben dem gern genommenen Wildwest-Thema auch auf Wikinger- und Ritter-Kostüme zurückgreifen.

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Bei der Wahl der Kostüme wird wie zur Zeit des Wilden Westens entschieden. „Der Mann sucht aus“. Allerdings nur sein eigenes Kostüm. Je nach Themenwahl werden die Frauen und Kinder passend von den Mitarbeitern eingekleidet. Dabei haben vor allem die Requisiten eine besondere Wirkung auf Kinder, ob Pistole oder Schaukelpferd. Ein großes Repertoire an Hüten steht der Damenwelt zur Verfügung, und die Männer können sich über Donnerbüchse oder Kommandanten-Säbel freuen.

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Die Preisliste für Gruppenfotos reicht bis an die 10 Personen heran. Jedoch lassen sich auch größere Gruppen fotografieren, wenn vor allem Kinder mit dabei sind. Dann können auch Gruppenfotos bis an die 16 Personen gemacht werden. Je mehr Personen auf dem Bild untergebracht werden müssen, desto mehr gehen in dem Gewusel unter. Teilweise konnten Personen im Hintergrund nur noch mit einem Hut kostümiert werden, da alles andere nicht mehr zu sehen war, erzählte uns Frau Brockmöller.

Bilder aus dem Hause LizzyLizzy’s Antik-Studio ist täglich geöffnet. Jedoch variieren die Öffnungszeiten saisonabhängig, und so wird in der Nebensaison erst um 12:00 Uhr aufgeschlossen. In der Hauptsaison dagegen werden schon um 11:00 Uhr die Türen geöffnet.

Ob sich die Türen auch in naher Zukunft weiterhin öffnen ist allerdings noch unklar. Nach 35 Betriebsjahren und mit einem Alter von 75 Jahren gedenkt Frau Brockmüller demnächst die Rente anzutreten. Einen Nachfolger hat sie bisher nicht finden können. Der Schritt in die Selbstständigkeit schreckt die Menschen heutzutage häufig ab. Allerdings hat sie sich vorgenommen die 40 Arbeitsjahre voll zu machen, sofern die Gesundheit mitspielt, um schließlich mit 80 Jahren in den wohlverdienten Ruhestand zu gehen.

Sie hofft weiterhin, dass ihr Team das Geschäfft eines Tages übernehmen wird. Schließlich sind die Frauen und Männer mehr eine Familie für sie, als nur Mitarbeiter. Überhaupt sind die Kollegen das wichtigste für Frau Brockmöller. Ohne sie, sagt sie, wäre sie nie so weit gekommen. Denn mittlerweile kann sie sagen, dass ihre Bilder überall auf der Welt zu finden sind. Über die ganzen Jahre war Lizzy's Antik Photo Studio eine Konstante im HANSA-PARK, welche gerne von ausländischen Gästen in Anspruch genommen wird. Und da der Stil sich ebenfalls konstant gehalten hat, sind Lizzy's Bilder unverkennbar, egal auf welchem Kontinent sie hängen.

Das Team Lizzy

Lizzy’s Antik-Studio ist ein Stück Geschichte, auf die eine oder andere Weise. Und wenn sich nun noch wer fragt, wer denn eigentlich Lizzy ist, der erkennt nun doch recht schnell auf welchen Spitznamen die Geschäftsführerin Anneliese Brockmöller hört.


Wenn Ihr auch Bilder bei Lizzy habt machen lassen, und diese gerne mit uns teilen möchtet dann schickt uns einen Kopie an die E-Mail Adresse Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Wir würden uns sehr darüber freuen.

Ein fertiges Bild, wie aus dem Wilden Westen